Wer mit einem Führerschein aus einem Nicht-EU-Land nach Deutschland zieht, darf damit sechs Monate lang fahren — gerechnet ab der Anmeldung des Wohnsitzes, nicht ab der Einreise. Danach ist Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis eine Straftat, keine Ordnungswidrigkeit.
Wie aufwendig die Umschreibung wird, hängt allein vom Ausstellungsland ab. Für manche ist es ein Behördengang, für die meisten eine Theorie- und eine praktische Prüfung — aber ohne die Ausbildungspflicht, die den deutschen Führerschein so teuer macht.
Drei Gruppen von Ländern
- EU und EWR: Der Führerschein gilt unbegrenzt weiter. Umschreiben ist freiwillig.
- Staaten der Anlage 11 FeV mit voller Befreiung — etwa Schweiz, Japan, Südkorea, Israel, Singapur, Taiwan, große Teile der USA, Kanadas und Australiens: Umtausch ohne Prüfung.
- Staaten mit Teilbefreiung — einige US-Bundesstaaten: entweder Theorie oder Praxis ist abzulegen.
- Alle übrigen Länder — darunter Indien, Pakistan, Nigeria, Türkei, die meisten Staaten Afrikas, Süd- und Südostasiens und Lateinamerikas: Theorie- und praktische Prüfung, aber keine Ausbildungspflicht.
Was bei der Prüfungspflicht wegfällt
Wer nach § 31 FeV umschreibt, braucht keine Mindestzahl an Fahrstunden, keine Sonderfahrten, keinen Erste-Hilfe-Kurs und keinen Sehtest. Die Fahrschule ist trotzdem nötig — sie meldet zur Prüfung an und stellt das Prüfungsfahrzeug — aber die Stundenzahl bestimmst du selbst.
Realistisch liegen die Gesamtkosten einer Umschreibung mit Prüfungen bei 500 bis 900 Euro, wenn beide Prüfungen im ersten Anlauf gelingen. Ein kompletter deutscher Führerschein kostet das Drei- bis Fünffache.
Der Ablauf
- 1Antrag bei der Führerscheinstelle des Wohnorts stellen — vor Ablauf der sechs Monate. Mitbringen: Führerschein, Übersetzung (außer bei englischsprachigen Dokumenten), Pass, Meldebescheinigung, biometrisches Foto.
- 2Bei Prüfungspflicht: Fahrschule wählen und dort nur für die Prüfungsanmeldung registrieren.
- 3Theorie lernen — der Fragenkatalog ist öffentlich, die Prüfung gibt es in zwölf Sprachen.
- 4Wenige Fahrstunden nehmen, um die Erwartungen des Prüfers und die Prüfungsstrecken kennenzulernen.
- 5Beide Prüfungen ablegen, deutschen Führerschein abholen. Der ausländische wird einbehalten oder entwertet.
Woran Umschreiber scheitern
- Vorfahrt. Rechts vor links, Vorfahrtstraßen, Kreisverkehr, Straßenbahn — in vielen Ländern gelten andere Regeln, und Gewohnheiten sind stärker als Wissen.
- Schulterblick und Spiegel. Der Prüfer erwartet sie sichtbar, bei jedem Abbiegen und Spurwechsel.
- Geschwindigkeit. 55 in der 50er-Zone ist ein Prüfungsfehler, kein Detail.
- Die Frist. Wer den Antrag nach sechs Monaten stellt, darf bis zur Prüfung überhaupt nicht mehr fahren — auch nicht zum Üben.
Vorfahrt mit der App trainieren
- 1
Kreuzungen im Simulator
Die 3D-Situationen sind so gebaut wie die Prüfungsfragen: Du entscheidest, wer zuerst fährt, und siehst sofort, ob es stimmt.
- 2
Regel für Regel
Rechts vor links, Vorfahrtschilder, Kreisverkehr und Straßenbahn getrennt üben, bis jede automatisch sitzt.
- 3
Fehler wiederholen
Die App bringt die Situationen zurück, die du falsch hattest — dort liegen die Prüfungspunkte.
- 4
Auf Deutsch üben
Wer die Prüfung auf Deutsch ablegen will, gewöhnt sich hier an die Begriffe, die dort verwendet werden.

Häufige Fragen
Ab wann läuft die Sechs-Monats-Frist?
Ab Begründung des ordentlichen Wohnsitzes in Deutschland, praktisch ab dem Datum der Anmeldung beim Einwohnermeldeamt.
Muss ich Fahrstunden nehmen?
Nein. Bei der Umschreibung gibt es keine Ausbildungspflicht. Ein paar Stunden zur Vorbereitung auf die praktische Prüfung sind trotzdem sinnvoll.